Co-Living

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Co-Living. We-Community und flexibler Lebensstil treffen aufeinander zum neuen Lifestyle.

Das Beste aus allen Welten zusammen in einem neuen Wohnkonzept. Urbaner Flair, flexibler Lebensstil, Unabhängigkeit und Gemeinschaft statt Möbel, festen Wohnsitz, Eigenheim und Abenden alleine zu Hause.Vom Co-Working zum Co-Living. Nun wird auch das Zuhause kommunaler. Mehr und mehr Anbieter bieten Co-Living Konzepte an. Doch was bedeutet Co-Living eigentlich?

Co-Living ist eine moderne Form des – meist temporären – gemeinsamen Wohnens aus kleineren privaten Raumeinheiten und einen geteilten gemeinsamen Wohnbereich. Je nach Konzept sind Co-Working Arbeitsplätze oder hotelähnliche Services integriert. Geteilt werden aber nicht nur die Wohnräume sondern auch weitestgehend die Werte und der Lebensstil der Bewohner, wie Offenheit, Kollaboration als auch den Wunsch Gemeinschaft zu spüren und zu gestalten. Dies trifft genau den Nerv der Zielgruppe, der modernen Nomaden.

Co-Living ist also mehr als ein Konzept, es ist eine Bewegung. Ein Lifestyle, der für Flexibilität, Sharing und Kollaboration steht. Getragen von einer Generation mit der Vision gemeinsam etwas zu verändern.

„We know life is better when we are part of a community that believes in something larger than itself.“ - WeLive

Woher kommt diese Bewegung? Welche Trends sind die Treiber und welche Entwicklungen ergeben sich daraus?

1/ Globalisierung – lokale Nischenerscheinungen werden global.

Streng genommen gibt es Co-Living im weitesten Sinne schon sehr lange. Menschen, die zusammen leben und ihre Weltanschauung und Ideale teilen gab es in bereits in den kollektiven Siedlungen der Kibbutzim in Israel, in Ashrams, in studentischen Wohngemeinschaften oder in Kommunen aus der Hippie Zeit. Man konnte sie aber getrost als lokale Nischenerscheinungen bezeichnen. Durch die Globalisierung entsteht eine neue globale Generation – ob man sie nun Millenials oder digitale Nomaden bezeichnet – die sich in der Welt zu Hause fühlt und mehr global vernetzt ist als jede andere Generation davor. Dadurch wird aus einer Nischenbewegung ein globales Phänomen.

2/ Teilen, sharen, tauschen, gemeinsam nutzen – die Sharing Economy weitet sich aus.

Die Sharing Economy hat bereits in vielen Bereichen Einzug gehalten. Getragen durch die Einsicht, dass Teilen günstiger, praktischer und nachhaltiger ist, teilen wir Gemüsegärten, Werkzeuge und Autos. Aber es sind mehr als rationale Kriterien dafür maßgeblich. Es vollzieht sich ein Wertewandel innerhalb dieser Generation, der Besitz und Eigentum nicht mehr als Statussymbol betrachtet sondern Erlebnisse als identitätsstiftend erachtet. Sie wendet sich eher vom klassischen Modell des Eigenheims ab. So ist es auch selbstverständlicher geworden die Urlaubsunterkunft und den Arbeitsplatz zu teilen. Die starke Popularität von AirBnB und das schnelle Wachstum von Co-Working Angeboten spiegelt diese Offenheit neue Menschen kennenzulernen und temporäre Gemeinschaften zu suchen. So ist der Schritt zum Co-Living eine nur naheliegende Erweiterung.

3/ Urbanisierung

Getrieben von den wirtschaftlichen Möglichkeiten und der Attraktivität der Städte wird weiterhin ein starker Zuzug in die Städte erwartet. Bis zum Jahr 2020 werden 60% der globalen Bevölkerung in Städten oder Vororten leben (intuit 2020). In vielen Großstädten ist heute schon urbaner Wohnraum unerschwinglich, so dass auch ökonomische und nachhaltige Gründe die Ursache für das Zusammenleben in den Städten ist.

4/ Der Anstieg der Freelance Economy

Freelanced Millennials

Nie war es einfacher als heute unabhängig, flexibel und selbstständig zu arbeiten. Die Technologien der Konnektivität ermöglichen es von überall auf der Welt zu arbeiten. Neue Plattformen machen es einfacher Freelancer und potenzielle Auftraggeber zusammen zu bringen und in Co-Working Spaces kann man gleichgesinnte soziale Kontakte finden. Der größte Co-Working Anbieter WeWork bietet mittlerweile Arbeitsplätze an 28 Standorten weltweit an. In den USA und Europa steigen die Zahlen der Freelancer signifikant. 2013 gab es in den USA bereits 53 Millionen Freelancer und in Europa 8,9 Millionen. In den USA entsprach diese Zahl 34% der arbeitenden Bevölkerung. Bis zum Jahr 2020 wird dieser Anteil geschätzt auf 50% ansteigen. Aber nicht nur die technologischen Entwicklungen fördern dieses Wachstum, sondern auch die Veränderungen in den Werten der Millennials. Die klassische Karriere im Großkonzern wird als immer weniger erstrebenswert angesehen, stattdessen stehen Werte wie Flexibilität, Selbstbestimmung, Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung an erster Stelle.

5/ Die modernen Nomaden: Weltbürger der Passion Economy

Die modernen Nomaden aus der Millennial Generation betrachten die Welt als ihr Zuhause. Sie sind hyper-mobil und äußerst reisefreudig. „Warum im Winter leben wenn ich es auch im Sommer tun kann?“, zeichnet ihre Einstellung aus. Dabei suchen sie flexiblen einfachen Zugang zum Wohnen von wo aus sie auch sofort Zugang zu einer Community aus Gleichgesinnten haben. Gleichgesinnte suchen sie nicht nur in anderen Nomaden, sondern auch in anderen „Gamechangern“. Es ist ihnen wichtig etwas mit Impact zu tun, etwas wohinter sie mit Leidenschaft stehen. Für 1/3 der Millennials ist es wichtig die Gesellschaft verbessern zu wollen und ihre Visionen und Ideale mit anderen zu teilen. WeWork formuliert diese Haltung in ihrem Mission Statement.

“Wir wollen eine Welt erschaffen, in der es um Lebenswerke und nicht um Lebensunterhalt geht.“ - WeWork

Zahlreiche CoWorking Retreats greifen an attraktiven Destinationen genau diesen Lifestlyle auf und verbinden Reisen, Arbeiten und gemeinsames Leben. Roam, ein globaler Co-Working Anbieter geht mit seinem Angebot an Flexibilität sogar noch darüber hinaus – bei Zahlung eines Wochenpreises erhalten die Mieter Zugang zu jedem der internationalen Standorte z.B. in Bali, Miami oder Madrid.

6/ Die Digitalisierung und Konnektivität fördern die Wir-Kultur

Das Zukunftsinstitut spricht vom Zeitalter der Kollaborationen und des Kollektivismus in welchem der Wunsch herrscht Gemeinschaft zu spüren, zu erzeugen und zu formen. Durch die neuen Technologien, Medien und Plattformen werden uns neue weitreichende Möglichkeiten gegeben uns mit anderen Menschen zu verbinden. Von Nachbarschaftsnetzen über online Petitionen, von beruflichen Netzwerken bis zu privaten Interessen. Das macht es uns einfach uns mit den Menschen zu verbinden, mit welchen wir Gemeinsamkeiten haben oder suchen und ermöglicht uns neue temporäre Zugehörigkeiten. Auf der anderen Seite lässt uns der hohe Grad an fortschreitender Digitalisierung, digitaler Vernetzung und digitaler Kontakte im Leben verstärkt nach echten menschlichen Kontakten suchen. Genau das spricht dafür nach einem digitalen Arbeitstag einfachen und spontanen Zugang zu einer Community zu haben, mit welcher man gemeinsam unter einem Dach wohnt.

7/ Zugang statt Besitz – die „asset-light“ Generation

Musik wird über Spotify gehört, Filme über Netflix angesehen, Autos über Carsharing ausgeliehen und die Urlaubsunterkunft über AirBnB gebucht. Das ist der Konsum der Zukunft. Zugang zu den Konsumartikeln, Medien und Dienstleistungen dann, wenn wir sie benötigen, statt Eigentum anzuhäufen – „pay-when-you-need-it“. Eine Erweiterung auf andere Lebensbereiche scheint da nur naheliegend. In Zukunft bezahlen wir Büromieten, nur für die Zeiten in denen wir sie benötigen und Miete für Co-Living nur dann wenn wir eine Gemeinschaft suchen.

8/ Nische oder Markt?

Heute sind die meisten Treiber des Co-Living Lifestyle in der Wertehaltung der Generation der Millennials zu finden. Manch einer mag denken, dass dies heute nur eine Randgruppe ist. Aber diese Betrachtung ist falsch und nicht langfristig genug. Bereits heute repräsentieren Millennials (d.h. die Geburtenjahrgänge von 1980 bis 2000) bereits mit 1,8 Milliarden Menschen weltweit die größte Generationen Kohorte bisher. 2020 werden sie weltweit 50% und 2025 bereits 75% der arbeitenden Bevölkerung ausmachen (Quelle: PWC) und so wird sich ihr Einfluss auf andere Generationen ausweiten.

Millennials

Dass Unternehmer und Investoren dieses Marktphänomen ebenso nicht als Nische betrachten, lässt sich in den Kapitalflüssen und Bewertungen der Co-Working und Co-Living Anbieter beobachten. Roam erhielt 2016 in seiner ersten Finanzierungsrunde 3,4 Mio US Dollar. WeWork – gerade auf 16 Mrd US Dollar bewertet – plant 68 weitere Standorte seines WeLive Angebots bis 2018.

9 / Fazit

Co-Living ist ein Lifestyle, welcher in den nächsten Jahren deutlich weiter wachsen wird. Aber nicht nur bei Millennials oder digitalen Nomaden. Dieses Wohnkonzept wird auch attraktiv für klassische Geschäftsreisende, die bisher für längere Aufenthalte in sogenannten „Serviced Appartments“ buchten oder in traditionellen Hotels übernachteten. Auch für sie ist ein etwas informellerer Zugang zu Kontakten attraktiv statt den Abend mit der Fernbedienung im Hotelzimmer zu verbringen. Zoku, aus Amsterdam richtet sich genau an diese Zielgruppe und positioniert sich als „The End of the hotel room – wohnen und arbeiten für den Geschäftsreisenden“.
Chancen bietet diese Strömung für alle Neu-Einsteiger in diesem Lifestyle Segment oder Angebotskonzepten, die sich von ihrem gemeinsamen Nenner – sei es Arbeiten, Ideologien, Interessen oder ähnliche – auf das flexible gemeinsame Leben ausdehnen. Notwendigkeit gibt es für traditionelle Wohn-, Hotellerie- und Tourismuskonzepte ihr Modell zu überdenken, anzupassen oder neu zu erfinden. Die neue Offenheit für Kollaborationen, der Wir-Gedanke und der flexible Lebensstil werden als Trends unsere globale Gesellschaft weiter prägen. Da bleibt es am Schluss nur wie bei IKEA zu fragen“ wohnst du noch oder lebst du schon zusammen?“